Zu Besuch bei Freunden: Selbstbestimmtes Leben in der Intensivpflege-WG

Wer an Intensivpflege denkt, hat oft das Bild von sterilen Krankenhausfluren, festen Visitenzeiten und dem Piepen von Monitoren im Kopf. Doch in einer Intensivpflege-Wohngemeinschaft sieht die Realität ganz anders aus. Hier steht nicht die Diagnose im Vordergrund, sondern die Person und ihr individueller Alltag. Zwei der häufigsten Fragen, die uns Angehörige stellen, sind:

„Wann darf ich kommen?“ und „Wie sieht das Leben dort eigentlich aus?“

Die Antwort ist simpel: Fast so wie in einer ganz normalen Privatwohnung.

Ein Zuhause ohne Besuchszeiten

In einer Wohngemeinschaft gibt es keine „Besuchszeiten“ im klassischen Sinne. Wir verstehen uns als Partner der Bewohnenden und ihrer Familien. Deshalb gilt bei uns:

  • Jederzeit willkommen: Ob zum gemeinsamen Frühstück, zum Kaffeetrinken am Nachmittag oder für ein spätes Gespräch am Abend – Angehörige können kommen, wann immer es in ihr Leben und das der Bewohnenden
  • Der Schlüssel zur Privatsphäre: Alle Bewohnenden (oder deren gesetzliche Vertretung) entscheiden selbst, wer einen Schlüssel zum eigenen Zimmer oder der Wohnung erhält. Das unterstreicht die Souveränität: Es ist der private Rückzugsort.
  • Wie in einer Privatwohnung: Freunde und Familie sind kein „Besuch“, der sich anmelden muss, sondern Teil des sozialen Gefüges.

Rücksichtnahme und Gemeinschaft

Ein harmonisches Miteinander braucht natürlich ein paar Grundregeln. Da in einer WG mehrere Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen leben, achten wir gemeinsam auf die Nachtruhe ab 22:00 Uhr.

Das bedeutet nicht, dass nach 22 Uhr niemand mehr kommen darf – es bedeutet lediglich, dass wir die Geräuschkulisse in den Gemeinschaftsräumen reduzieren, damit alle Bewohnenden die Erholung finden, die sie für ihre Gesundheit benötigen.

Alltag nach eigenem Rezept

Selbstbestimmung endet bei uns nicht an der Zimmertür. In einer Intensivpflege-WG wird der Alltag nicht durch den Dienstplan der Pflegekräfte diktiert, sondern durch die Wünsche der Bewohnenden.

  1. Kulinarische Freiheit

Was kommt auf den Tisch? In der WG wird gemeinsam geplant. Ob Lieblingsgerichte von früher oder spezielle Ernährungswünsche, die Bewohnenden entscheiden über den Speiseplan. Gegessen wird, wann es passt, und nicht, wenn die Glocke läutet.

  1. Individuelle Tagesgestaltung

Der eine ist ein Frühaufsteher, der andere schläft gerne lange. Wir passen unsere pflegerischen Abläufe so weit wie möglich an den Rhythmus der Bewohnenden an. Ob Fernsehabend, Musik hören oder einfach nur Ruhe – jeder Tag wird so gestaltet, wie es gewünscht wird.

  1. Persönliche Gestaltung

Das eigene Zimmer ist das Herzstück. Eigene Möbel, vertraute Bilder an den Wänden und die persönliche Bettwäsche sorgen dafür, dass aus einem „Patientenzimmer“ ein echtes „Zuhause“ wird.