Pflege mit Zeit: Warum die 1:3 Betreuung in der WG glücklicher macht als der Klinikstress

Der Pflegeberuf wird oft als Berufung bezeichnet, doch im hektischen Klinikalltag gerät das, was diesen Beruf eigentlich ausmacht, die Beziehung zum Menschen, oft in den Hintergrund. Zeitdruck und Personalmangel führen dazu, dass pflegerische Handlungen oft nur noch funktional abgearbeitet werden. Ein alternatives Modell, das sowohl für Pflegekräfte als auch für Bewohnende eine deutlich höhere Lebensqualität bietet, ist die außerklinische Intensivpflege in Wohngemeinschaften (WGs).

Der Personalschlüssel als Qualitätsmerkmal

Während in Krankenhäusern eine Pflegekraft oft für eine zweistellige Anzahl an Patienten verantwortlich ist, zeichnen sich spezialisierte Intensivpflege-WGs durch einen deutlich besseren Betreuungsschlüssel aus. In der Regel versorgt eine Fachkraft lediglich drei Bewohnende (1:3 Betreuung).

Dieser Schlüssel ermöglicht eine Pflege, die ihren Namen verdient:

  • Individuelle Versorgung: Anstatt festen Stationsabläufen zu folgen, kann die Pflege an den biographischen Rhythmus der Bewohnenden angepasst werden.
  • Sicherheit durch Teamarbeit: In unseren WGs sind (bei einer Gruppengröße von etwa sechs Personen) zwei Fachkräfte gleichzeitig im Dienst. Das bedeutet, dass man sich in komplexen Situationen gegenseitig unterstützen kann und nie auf sich allein gestellt ist.
  • Beziehungsarbeit: 1:3 bedeutet Zeit für Gespräche, für die Begleitung bei kleinen Fortschritten und für eine echte menschliche Bindung.

 

Ein ruhiges Umfeld für nachhaltiges Lernen

Ein großer Vorteil dieser Wohnform ist die Atmosphäre. Es gibt keine lauten Flure, keine anonyme Hektik und keinen ständigen Schichtwechsel-Stress. Diese Ruhe kommt nicht nur den Bewohnenden zugute, sondern schafft auch eine ideale Lernumgebung.

Durch Kooperationen mit Pflegeschulen sind häufig Auszubildende vor Ort. In der 1:3 Betreuung haben erfahrene Fachkräfte tatsächlich die Zeit, Wissen fundiert weiterzugeben. Auszubildende wiederum können hier die Handhabung hochmoderner Medizintechnik in einem geschützten, entschleunigten Rahmen erlernen.

 

Selbstbestimmung statt Klinikroutine

In einer WG sind die Bewohnenden keine „Nummern“, sondern Mieter in ihrem eigenen Zuhause. Das Ziel der Pflege ist es hier nicht nur, medizinische Stabilität zu gewährleisten, sondern Teilhabe zu ermöglichen. Ob ein gemeinsames Frühstück, das Hören der Lieblingsmusik oder die individuelle Gestaltung des Zimmers – die Pflege mit Zeit gibt den Bewohnenden ein großes Stück Autonomie zurück.